Mittwoch, 28. März 2018

Bourogne - Montbeliard


Herbststimmung

Es nieselt bei vielleicht 20 Grad, als ich mich auf den Weg mache. Der Kanal ruht. Es ist keine Strömung zu erkennen. Auf ihm liegt Laub, das von den schon an einigen Stellen bunt gefärbten Bäumen fällt. Vereinzelt treffe ich ein paar Radfahrer, die mit Goretex vorm Regen geschützt, ihre Kilometer absolvieren. Wenn ich viel langsamer als sie meines Weges ziehe, sehe ich einen Vogel, genauer gesagt einen Graureiher. Mutig bleibt er lange und sehr ruhig stehen, bis er dann unter lauten Protestrufen doch seine große Schwingen einsetzt und zum sicheren anderen Ufer des Kanals fliegt. Ich würde das nicht erwähnen, wenn es nur einmal passiert wäre. Doch zu diesem Geschehen kam es bestimmt 10 Mal. Und ich weiß nicht, ob ich immer dem selben Vogel wohl ziemlich auf den Sack gegangen bin.

Sonntag, 18. März 2018

Montreux-Vieux - Bourogne



Freude

Als ich gestern meiner Freundin Andrea erzählte, wie ich durch die Gluthitze gewandert bin, fragt sie anschließend : „ Macht das denn noch Freude ?“ – Ich bin ein klein wenig stolz auf das Erreichte, zumal es heute noch wärmer und durch eine weitere Umleitung noch weiter war als gestern und ich wieder angekommen bin. Es ist jedes Mal auch ein kleines Wunder für mich, eine Etappe erfolgreich zu erwandern. Die Natur hier gefällt mir auserordentlich gut. Die Ruhe ist wunderbar entspannend. Außerdem finde ich es toll, meine paar Brocken Französisch anwenden zu können. Aber Freude ? Freut sich geneigte Gast, wenn ihm die Auspeitschung von der Domina bevorsteht oder freut er sich während dessen ? Ich fühle eine tiefe Zufriedenheit und eine gewisse Erschöpfung – aber all das würde ich nicht Freude nennen. 

Donnerstag, 15. März 2018

Dannemarie - Montreux-Vieux



Die Schleuser

Ich bin ein Flüchtling aus der modernen Welt und der Zivilisation. In der Natur fühle ich mich am wohlsten. Die Ruhe und die Schönheit des Kanals lassen mich den Alltag vergessen. Auf meinem Weg geht es stetig bergauf. Die Steigung merkt man allerdings kaum. Sichtbar wird sie, wenn eine Schleuse die unterschiedlichen Wasserstände ausgleichen muß. Für mich bieten die Schleusen eine große Hilfe, weil es dort meist Sitzmöglichkeiten gibt.Ohne die Schleuser würde ich als Flüchtling meinen Weg kaum schaffen. Heute gab es die Besonderheit einer Kaskade von Schleusen. Und was passiert mit dem Flüchtling, wenn die Schleuser ihren Part erledigt haben ? – Richtig, er steht kurze Zeit später vor einem Absperrgitter. Meine Route ist blockiert. Gut, im Gegensatz zur Balkanroute gab es bei mir eine Umleitung, aber ich habe diese ignoriert und bin durch gekommen. Wenn das die Afd wüßte …

Dienstag, 13. März 2018

Illfurth - Dannemarie


Tag des Wassers

Im Hotel hab ich mir Wasserflaschen gekauft, denn dieser Tag soll sehr heiß werden. Das Wasser war dann auf der Strecke auch schnell verbraucht. Da es am Kanal keine Geschäfte gab, hab ich eine Frau, die gerade ihre Blumen goß, gefragt, ob sie etwas Wasser für mich hätte. Hatte sie. Ich trank auch davon, aber ich glaube, es hatte keine Trinkwasserqualität. Als ich kurze Zeit später wieder Rast machte, fiel mir auf, daß ich eine Wasserflasche verloren hatte. In einem Gartenlokal hab ich versucht, aus einem Automaten Wasserflaschen zu ziehen, was aber nicht klappte. Immerhin war die sehr ansehnliche Bedienung so freundlich meine Wasserflaschen wieder zu füllen. 15 km bei sengender Sonne. Ich war platt am Ziel.

Montag, 12. März 2018

Mulhouse - Illfurth


Die Vögel von Mc Donalds

Der nächste Urlaub startet im September 2016 in Mulhouse in Frankreich. Es ist der erste Urlaub komplett im Ausland. Die erste Etappe war sehr schön und führte am Kanal entlang. Das Highlight des Tages bot aber der Besuch in einem Schnellrestaurant in Mulhouse. Kaum hatte ich es mir mit meinem Essen gemütlich gemacht, kam eine Taube und setzte sich auf die Lehne des gegenüber stehenden Stuhls und beobachtete mich beim essen. Eine zweite gesellt sich dazu. Nun mutiger kommt die Taube auf meinen 4-eckigen Tisch. Damit sie verschwindet, werfe ich eine Pommes weg vom Tisch. Woraufhin sich 6 oder 7 Tiere, die sich mittlerweile in der Nähe des Tisches aufhielten, über das Fast Food hermachten. Das Wiederholen dieser Aktion lockt noch mehr Tiere an. An Essen ist nicht mehr zu denken. Die mutigste Taube hat nun keine Lust mehr zu warten und klaut sich eine Pommes direkt aus der Tüte. Jetzt reicht’s. Ich gehe drinnen essen.

Sonntag, 11. März 2018

Ardey - Gesecke



Gegengewicht
Im September 2016 steht der erste Urlaub komplett in Frankreich an. Außer der Sprache gibt es noch ein weiteres Problem. Bei meinem Fitnessprogramm tut fürchterlich der Rücken weh, wenn ich ein kurzes Stück gelaufen bin. Das ist so intensiv, daß ich schon mit dem Gedanken gespielt habe, den Urlaub zu canceln. Aber auf dieser Etappe, und darüber freue ich mich sehr, habe ich keine Schmerzen. Das kann am mit Gewicht bepackten Rucksack liegen, der eventuell ein Gegengewicht zum Bauch bildet und so die Lendenwirbel entlastet – oder an den Wanderschuhen. Bei meinem Fitnessprogramm laufe ich mit Alltagsschuhen.

Freitag, 26. August 2016

Bacharach - Bingen

Der Schlussstein

Wie bei dem Bau der mittelalterlichen Kathedralen ist das schwierigste gewesen, den Schlussstein zu setzen. Das ist jener Stein, der die beiden Halbbögen oben in der Mitte verbindet, so dass ein kompletter Rundbogen entsteht. Es war das geheime Erfahrungswissen der Steinmetze, daß dazu führte, daß das Konstrukt nicht zusammenbrach. Aus diesem geheimen Wissen haben sich später der Legende nach die Freimaurer gebildet. Ich habe auf dieser Tour den Nordteil und den Südteil meiner Durchquerung Deutschlands verbunden. 17 Km bei knappen 30 Grad mit Gepäck waren dazu zu laufen. Ich habe über 6 Stunden gebraucht. Aber es ist geschafft, die Strecke ist komplett.